Wolgograd – Russlands historische Stadt

Die Millionenstadt Wolgograd liegt in Südwestrussland. Traurige Berühmtheit hat die Stadt unter ihrem ehemaligen Namen Stalingrad erlangt, im Zuge der Geschehnisse des 2. Weltkrieges. Viele Bauwerke und Gedenkstätten erinnern an diese Zeit, die Andenken daran sind in der Stadt omnipräsent. Wir nehmen Sie mit auf eine Erkundung dieser geschichtsträchtigen Stadt.

Wolgograd am Fluss Wolga

Wolgograd ist eine Stadt in der gleichnamigen Oblast. Sie liegt wie es der Name vermuten lässt, direkt am Fluss Wolga, welcher sich in südlicher Richtung weiter bis schließlich in das Kaspische Meer ergießt.

Die Stadt ist heute ein wichtiges industrielles Zentrum Russlands. Wichtige Industriezweige sind Schiffbau, Schwarz- und Buntmetallverarbeitung, Erdölverarbeitung, Stahl- und Aluminiumproduktion, Anlagen- und Maschinenbau, sowie Holz-, Nahrungsmittel- und chemische Industriebetriebe. Nördlich der Stadt befindet sich zudem ein großes Laufwasserkraftwerk, das Wasserkraftwerk Wolgograd.

Mit einer Streckenlänge von 13,5 km unterhält Wolgograd ein großes Straßenbahnnetz und seit 1984 eine Stadtbahn. Die Wolga-Brücke, mit 7,1 km längste als Balkenbrücke ausgeführte Straßenbrücke Europas, verbindet das Stadtgebiet von Wolgograd am westlichen Wolgaufer mit der Stadt Krasnoslobodsk am östlichen Ufer. Insgesamt 13 Jahre Bauzeit und ca. 330 Millionen Euro Kosten betrugen die Aufwände zur Realisierung. Der Flughafen der Stadt bietet hauptsächlich innerrussische Verbindungen, da der internationale Flugverkehr hauptsächlich über die beiden Moskauer Flughäfen Moskau-Scheremetjewo und Moskau-Domodedowo abgewickelt wird.

Wolgaufer

Geschichte des ehemaligen Stalingrad

Im Russischen Bürgerkrieg (1917–1920) war Wolgograd aufgrund seiner strategischen Bedeutung an der Kreuzung der Transportwege für Lebensmittel vom Süden des Landes nach Moskau und Petrograd umkämpft. Nach dem Ende des Krieges wurde die Stadt zu Ehren Josef Stalins, welcher im Bürgerkrieg hier als Armeekommissar tätig gewesen war, in Stalingrad („Stalinstadt“) umbenannt.

Große und traurige Bekanntheit erlangte Stalingrad im 2. Weltkrieg. Während des Deutsch-Sowjetischen Krieges war Stalingrad eines der Ziele der sogenannten Operation „Fall Blau“. In der “Schlacht von Stalingrad” wurde die russische Armee von über 230.000 Soldaten der deutschen 6. Armee im Spätsommer 1942 an drei Seiten eingekesselt. Die Kämpfe begannen am 23. August 1942, im September erreichten die Kämpfe die Innenstadt, wobei mehrere zentrale Punkte (u.A. der Hauptbahnhof und der Mamajew-Hügel) mehrmals die Hände wechselten. Den Nachschub konnte sich die Roten Armee nur durch Schiffe über die Wolga vom unbesetzten Ostufer der Wolga aus aufrechterhalten. Taktisches Ziel der deutschen Armee in Wolgograd war die Unterbindung der Hilfslieferungen mit Schiffen über die Wolga, vom Süden nach Nord- und Zentralrussland.

Anfang November hatte die deutsche Armee 90 Prozent des Stadtgebiets erobert. Doch eine vollständige Eroberung der Stadt gelang aufgrund des ungebrochenen Widerstands der Roten Armee nicht. Stattdessen wurden die deutschen Truppen und ihre Verbündeten (v.a. Rumänen und Kroaten) am 19. November 1942 ihrerseits durch die sowjetische Gegenoffensive „Operation Uranus“ eingekesselt. Ein deutscher Entsatzversuch mit dem „Unternehmen Wintergewitter“ scheiterte. Am 2. Februar 1943 stellten die Reste der 6. Armee unter Generalfeldmarschall Friedrich Paulus die Kampfhandlungen ein. Ungefähr 108.000 deutsche und verbündete Soldaten gingen daraufhin in russische Gefangenschaft. Durch die Kampfhandlungen wurde die Stadt nahezu vollständig zerstört. Unmittelbar nach der Befreiung wurde mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen. Im Jahre 1945 wurde der Stadt dann der offizielle Titel Heldenstadt durch die Führung der Sowjetunion verliehen.

Im Zuge der Entstalinisierung wurde 1961 der Name der Stadt in Wolgograd geändert. Seitdem gab es immer wieder Bestrebungen, die Stadt wieder in Stalingrad umzubenennen oder diesen Namen zumindest zeitweilig oder alternativ zu verwenden. So beschloss etwa der Stadtrat 2013, die Bezeichnung „Heldenstadt Stalingrad“ anlässlich der Feiern zum 70. Jahrestag der Kapitulation der deutschen Truppen und an weiteren Gedenktagen zu verwenden. Im Rahmen von Gedenkveranstaltungen verwendet die Stadt seit 2017 wieder jeweils temporär den Namen Stalingrad.

Mutter-Heimat-Statue

Gedenkstätte

Sehenswürdigkeiten von Wolgograd

Wolgograd ist von der Architektur des Spätstalinismus der 1950er und 1960er Jahre der Sowjetunion geprägt. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zählt die Gedenkstätte der Schlacht von Stalingrad auf dem Mamajew-Hügel. Dort steht auch das Wahrzeichen der Stadt, die Mutter-Heimat-Statue. Mit ihrem 33 Meter langen Schwert, einem Gewicht von 7900 Tonnen (inkl. Fundament) und ihren 85 Metern Höhe (gemessen von Fußsohle bis Schwertspitze) ist sie eine der imposantesten Statuen der Welt.

Im südlichsten Stadtteil von Wolgograd (in Krasnoarmeisk) liegt die ehemalige deutsche Siedlung Alt Sarepta, die 1765 von der Herrnhuter Brüdergemeinde gegründet wurde. Unweit davon und direkt an der Einmündung des Wolga-Don-Kanales in die Wolga, steht die größte Lenin-Statue Russlands.

Modernes Antlitz zeigt die Stadt in Form der für die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 errichteten „Wolgograd-Arena“. Das topmoderne Fussballstadion bietet Platz für 45.000 Zuschauer und liegt malerisch direkt am Ufer der Wolga.

Wolgograd-Arena

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Andreas Flück
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