Über Karawansereien und Kamelritte

Es sind die alten Reiserouten, die immer noch eine gewisse Nostalgie und Romantik in uns hervorrufen. Egal, ob der Pamir-Highway, die Transsibirische Eisenbahn in Russland oder die historische Seidenstraße in Asien. Einmal so verreisen, wie Handelsleute und Touristen vor mehreren hundert Jahren. Mit dem Flugzeug ist man heute schnell unterwegs. Aber wie muss es auf dem Rücken eines Kamels gewesen sein, wochen- gar monatelang durch die Wüste zu ziehen? Dabei immer die Fragen im Kopf zu haben, wie weit man es schafft und wo man schläft. Karawansereien waren die Antwort!

Alle 30 bis 40 Kilometer

Karawansereien haben eine lange Tradition. Der Begriff selbst kommt zwar aus dem Persischen, ihr Verbreitungsradius überragt den persischen Raum jedoch. Seit dem späten 10. Jahrhundert entstanden entlang von Karawanenrouten die sog. Karawanenhöfe. Oft aus militärischen Befestigungen entstanden, boten sie dem Reisenden, seinen Kamelen und natürlich auch den Waren Schutz. Große Karawanensereien konnten die Reisenden auch mit Lebensmitteln versorgen und bildeten Handelsplätze für Waren. Im Laufe der Geschichte bildeten sich ganze Netzwerke. Gerade die Sultane der Rum-Seldschuken errichteten ab dem 13. Jahrhundert das Herbergsnetz – ähnlich dem Jugendherbergswesen. Allerdings deutlich näher beisammen liegend. Alle 30 bis 40 Kilometer wurden Sereien errichtet. Dies entsprach genau einer durchschnittlichen Tagesroute. Nicht Slow Food, sondern Slow Travelling.

In dieser Serei übernachten die Gäste von New Silk Road

Fünf-Sterne-Sereien gab es bei den Seldschuken

Schlussendlich durchzogen Karawansereien das Gebiet Persiens, das Osmanische Reich, den Kaukasus und erstreckten sich nach Afghanistan und an das Mittelmeer. Je nach Region unterschieden sie sich jedoch in der Ausstattung. Eine moderne Reisebroschüre könnte die seldschukischen Karawansereien wohl mit der Zusatzinformation „Luxusunterkunft“ versehen. Diese verfügten neben den Unterkünften auch über eine ärztliche Versorgung, Bäder, Küchen, Tee- und Kaffeestuben sowie vereinzelt auch Moscheen. Wer hingegen eine osmanische Sereie aufsuchte, musste sich seine Matratze selber mitbringen. Sie kamen deutlich karger aus. Wohl dann das Hostel.

Egal, welche Karawansereien man aufgesucht hat, eine Gemeinsamkeit hatten sie dann doch: Es war der rechteckige oder quadratische Grundriss mit einem Innenhof, der von Säulenbogen umzäunt wurde.

Karawansereien heute

Heute sind Karawansereien nicht nur Museen und Ruinen, sondern sie werden immer noch als Unterkünfte genutzt. Natürlich heute mit deutlich mehr Komfort als zur damaligen Zeit. Gerade durch die Innenhöfe bieten sie heute viele Möglichkeiten der Entspannung und seine eigene Matratze muss man sicherlich auch nicht mehr mitbringen.

Auf dem Rücken der Kamele

Von Herberge zu Herberge kam man damals auf dem Rücken der Kamele. Ein Abenteuer, das man auch heute noch erleben kann. Zwar werden heute keine weiten Strecken mehr zurückgelegt, aber ein kleiner Tagesausflug mit dem Kamel in die Wüste ist ein tolles Erlebnis. Zumindest, wenn man sich auf dem Tier halten kann und den Aufstieg schafft.

Meinen ersten und einzigen Kamelritt werde ich so schnell nicht vergessen. Es ist schon ein paar Jahre her. In Dunhuang, im Westen Chinas, haben wir eine Nacht in der Wüste verbracht. Das besondere Schmankerl waren die Kamele als Fortbewegungsmittel. Es war tatsächlich wie eine kleine Karawane. Unsere Gruppe umfasste bestimmt 15 Personen. Da kamen schon einige Kamele zusammen. Allerdings waren wir mit nicht mehr als unseren Rucksäcken bepackt. Keine edlen Stoffe oder Tee. Fast ruhig saßen die Kamele auf dem sandigen Boden. Auf ein Pferd kommt man insofern einfacher, da man das Bein nicht so weit hochheben muss, aber beim Kamel sind da ja noch die Höcker. Man sollte mit ausreichend Kraft das Bein über den hinteren Höcker schwingen und schon sitzt man zwischen ihnen – so in der Theorie. Ich habe tatsächlich zwei Versuche gebraucht.

Jetzt saß ich, mir konnte nichts mehr passieren – dachte ich. Aber ich hatte mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie so ein Tier aufsteht. Schwungvoll werden zunächst die Hinterbeine nach oben gedrückt. Dadurch macht das gesamte Tier, mit mir zwischen seinen Höckern, einen gewaltigen Satz nach vorne über. Jetzt verstand ich auch den Hinweis unseres Karawanenführers: Gut festhalten. Sind die Hinterbeine aufgestellt, folgen die Vorderbeine. Endlich saß ich sicher im Sattel. Wie es wieder runtergeht, kann man sich gut vorstellen. Ernstgemeinter Tipp: Gut festhalten.

Auf den Spuren der Karawanen

Ob auf dem Kamel oder in einer Karawanserei – noch immer kann man sich auf die romantisch-nostalgischen Spuren der Karawanen begeben. Nicht mehr mit edlen Stoffen und anderen Handelsgütern bepackt, aber dafür mit einer großen Portion Spaß und Abenteuergeist. Wo einst die Karawanen ihre Waren von Ost nach West und andersherum von Basar zu Basar brachten, verkehren heute Touristen und wünschen sich in eine andere Zeit zurück.

Mit ein paar Tricks ist es zudem ganz einfach, einmal zwischen den Höckern eines Kamels zu sitzen. Über die Dünen hat man einen wunderschönen Blick. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, in der Wüste zu übernachten, sollte man sich in jedem Fall den Wecker früh stellen. So einen Sonnenaufgang erlebt man nirgendwo sonst!

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Frederik Schmitz
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