Planstadt Taschkent: Die Hauptstadt Usbekistans

Die Sowjetunion mit ihrem Anspruch eines alternativen Systems zum westlichen Kapitalismus machte auch vor der städtischen Entwicklung nicht halt. Über die ganze UdSSR entstanden sog. Planstädte. Diese sollten als Aushängeschild dienen und in eine glorreiche Zeit weisen. Eine dieser Städte ist auch die Planstadt Taschkent – Hauptstadt Usbekistans.

Schmelzziegel der sowjetischen Kulturen

Taschkent ist keine einheitliche Stadt. Sie wurde bereits im 3. Jahrhundert vor Christus erstmals erwähnt und fungierte später als Knotenpunkt Zentralasiens auf der Seidenstraße. Heute ist sie der Schmelzziegel der sowjetischen Kulturen. Es sollen bereits Pläne der Umstrukturierung Taschkents vorhanden gewesen sein, als die Stadt am 26. April 1966 von einem heftigen Erdbeben erschüttert wurde, das weite Teile der Stadt dem Erdboden gleichmachte. 

Das historische Erbe wurde mit dem Erdbeben zwar weitestgehend zerstört, aber dafür besticht die Stadt heute durch ihre architektonische Vielfalt. Vor 50 Jahren, nach dem Erdbeben, kamen Städteplaner und Architekten aus der ganzen Union, um ihre Ideen für ein neues Taschkent vorzubringen. Entstanden ist das heutige Taschkent. Nun eine Planstadt, die noch von den Träumen einer ganzen Nation zeugt, die gut 30 Jahr später ihr Ende finden sollte.

Plattenbau und Orientalistik in Taschkent

Heute säumen funktionale Plattenbauten sechs- und achtspurige Stadtstraßen. Eines war den Schaffern dieser neuen Stadt wichtig: Es musste genug Platz für Aufmärsche und Paraden geben. Ein architektonisches Merkmal, welches sich in vielen sozialistisch regierten Ländern wiederfindet, egal ob Moskau, Peking oder Leipzig. In der damaligen Musterstadt sowjetischer Planung finden sich heute Wolkenkratzer, wie sie in New York stehen könnten ebenso, wie sowjetische Heldenstatuen und Plattenbauten. Zwischendrin und in der historischen Altstadt findet sich auch noch das islamische und orientalische Erbe dieser Stadt. Ein richtiges Freilichtmuseum zwischen Plattenbau und Orientalistik.

Wahrzeichen Taschkents: der Fernsehturm

Die Khast-Imam-Moschee

Die Mausoleen von Taschkent

Eine ähnlich schöne Ornamentik und Farbenpracht lassen sich bei den vielen Mausoleen der Stadt finden. Das Kaffal-Schaschi-Mausoleum wurde für den 926 n. Chr. verstorbenen Imam Abu Bakr Kaffal Schaschi errichtet. Auch wenn das Grabmal nicht bis heute erhalten werden konnte, so ist das 1542 errichtete Gebäude auch nach seinem Umbau im 19. Jahrhundert noch sehenswert. Das Mausoleum Kaldyrgach-bly ist das älteste Mausoleum der Stadt. Der bereits aus dem 15. Jahrhundert stammende Ruheort beherbergt das Grab eines kasachischen Führers und verfügt über eine besonders malerische Anlage.

Einkaufen wie die Einheimischen

Es gibt für mich kaum einen besseren Einstieg in eine fremde Kultur und ein neues Land, als einen Markt oder Basar aufzusuchen. Auch Taschkent hat viele Basare, aber drei stechen doch deutlich durch ihren Baustil hervor: Mirobod-Basar, Alay-Basar und Chorsu-Basar.

Bekannt ist der Mirobod-Basar für seine große Auswahl an Früchten und Gemüse für den täglichen Verzehr. Der blaugrüne Schein, der sich über die komplette Marktfläche erstreckt, kommt von der riesigen achteckigen Untertasse, die den Markt vor Regen schützt. Der längliche Alay-Basar ist zwar etwas teurer, aber für seine ausgezeichnete Qualität bekannt. Vor dem Eingang der Halle wird man von einem gelb-goldenen Bogen empfangen. Optisches Highlight unter den Basaren ist der Chorsu-Basar. Er ist der wohl bekannteste unter den Basaren der Stadt und einer der ältesten in Zentralasien. Das bläulich und rund-gewölbte Dach umfasst den ganzen Basar. Hier bekommen die Kunden und Besucher nicht nur Lebensmittel, sondern alles was das Herz begehrt.

Die Kuppel des Chorsu-Basars

Medresen – Orte islamischer Bildung

Medresen spielen für die Kultur Zentralasiens eine große Rolle. Hier fand in früheren Zeiten die Wissensvermittlung der islamischen Religion statt. Sie waren oft Zentren einer Stadt. Die Abdul-Kasim-Medrese befindet sich hier bereits seit dem 16. Jahrhundert und war damals ein Komplex aus Medrese, Schwimmbad und Moschee. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie um eine zweite Etage erweitert und bietet heute vielen Kunsthandwerkern Platz für Ateliers. Eine zweite schöne Medrese ist die Kukeldasch. Sie beherbergt einen herrlichen Innenhof.

Die Kukeldasch-Medrese

Der Verkehr von morgen

Ein weiteres Charakteristikum sowjetischer Modellstädte sind pompöse U-Bahnhöfe. Allein die verschiedenen Stationen der U-Bahn Taschkents sind einen Ausflug wert. Sollte so der zukünftige Verkehr innerhalb einer sozialistischen Stadt aussehen und deswegen stechen die U-Bahnhöfe so hervor? Oft sind sie mit Marmor ausgekleidet und mit Kronleuchtern geschmückt. Jede ist ein eigenes Kunstwerk. In Taschkent widmet sich jeder Bahnhof einem anderen Thema. Auch wenn es verboten ist, die Bahnhöfe von innen zu fotografieren, so lohnen sich doch besonders die Stationen Alisher, Navoiy, Oz’bekiston und Kosmonavtlar.

Die Station Vokzal

Eine gute Mischung

Die Planstadt Taschkent ist keine typische Stadt, aber Sie verfügt über eine gute Mischung. Neben ihrem immensen kulturellen Erbe bietet sie auch einen unübersehbaren Eindruck in den Baustil zu Zeiten der Sowjetunion. Zwar sind auch viele historische Stätten dem Wiederaufbau und der Ideologie zum Opfer gefallen, aber zeigt sich in dieser Stadt, wie in kaum einer anderen, wie diese durch die Jahrhunderte gegangen ist. Hier Plattenbau und dort mittelalterliche Mausoleen sowie Medresen. Hier sowjetische Heldendenkmäler und dort Moscheen. Und immer wieder inmitten der Viertel finden sich traditionsreiche und wunderschöne Basare, die zum Einkaufen einladen.

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Frederik Schmitz
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