Der Registan-Platz: Im Herzen von Samarkand

Samarkand im Nordosten von Usbekistan ist eine der ältesten Städte der Welt. Seit dem Mittelalter wird sie auch als „Perle des Orients“ bezeichnet und gehörte zu einem der wichtigsten Umschlagplätze entlang der alten Seidenstraße. Der Begriff Registan („Sandplatz“) bezeichnet im Allgemeinen den öffentlichen Hauptplatz in mittelalterlichen zentralasiatischen Städten. Hier wurden Versammlungen abgehalten, Gesetze verkündet oder Hinrichtungen durchgeführt. Davon abgesehen diente er als Handelsplatz von Waren. In Samarkand wurde einst mit chinesischer Seide, Tee, Pferden, Edelsteinen oder verschiedenen Gewürzen gehandelt.

Der Registan von Samarkand gehört du den prachtvollsten Hauptplätzen in Zentralasien. Er wird auf drei Seiten von alten islamischen Hochschulen, den sogenannten Medresen, gesäumt. Es handelt sich dabei um besonders prächtige und repräsentative Bauwerke aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, die in ihrer Gesamtheit perfekt miteinander korrespondieren.

1
2
3
1

Die Ulugh-Beg-Medrese

2

Die Tilla-Kari-Medrese

3

Die Sher-Dor-Medrese

 

1. Die Ulugh-Beg-Medrese

Das älteste der drei Gebäude  am Registan ist die Ulugh-Beg-Medrese („Medrese des Großen Herrschers“) aus dem 15. Jahrhundert an der Westseite des Platzes. Sie wurde in der Zeit zwischen 1417 und 1422 unter Ulugh Beg, dem Enkel des Timur Lenk (Tamerlan) erbaut. Die Zeit des 15. Jahrhunderts gilt in Zentralasien als die goldene Epoche und hat zahlreiche beeindruckende Baudenkmäler hervorgebracht. Die Medrese ist mit ihrem imposanten Portal in Form eines Hufeisenbogens dem Registan zugewandt. Mit einer Höhe von 16,5 Metern ist der Torbogen schon aus der Ferne sichtbar. Die Seiten des Portals sind von hohen Säulen, sogenannten Minaretten, flankiert. Die Dekoration der einzelnen Bauten besteht aus kleinteiligen blauen, türkisfarbenen und weißen Fliesen, die in geometrischen Ornamenten vor einem Hintergrund aus Terrakotta-Ziegeln angeordnet sind. Im großen quadratischen Hof des mächtigen Bauwerks befinden sich eine Moschee sowie Unterrichtsräume und Zimmer, in denen früher die Studenten wohnten. Die angrenzenden Gärten boten Erholung und Ruhe während der Unterrichtspausen. Die Ulugh-Beg-Medrese war im 15. Jahrhundert eine der angesehensten Hochschulen im muslimischen Zentralasien. Bis ins späte 17. Jahrhundert wurde sie als theologische Hochschule genutzt, verfiel danach aber weitgehend. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie dann wieder aufgebaut und in den 1990er Jahren restauriert.

2. Die Tilla-Kari-Medrese

An der Nordseite des Registan befindet sich die mittlere der drei Medresen – die Tilla-Kari-Medrese, die ebenfalls unter Yalangtush Bakhodur in der Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Medrese wurde als letztes Gebäude des Registan-Ensembles errichtet und durchbricht das zuvor vorherrschende streng symmetrische Kosch-Prinzip. Sowohl in der Architektur als auch in ihrer Funktion weicht die Tilla-Kari-Medrese stark von ihren Vorgängerbauten ab.

Der gesamte Bau ist mit seiner 120 Meter langen Außenfassade etwas breiter als die beiden älteren Medresen. Hinter der zweistöckigen Fassade des Bauwerks, mit seinen vergleichsweise kleinen Eckminaretten, verbirgt sich ein großer quadratischer Hof mit angrenzenden ehemaligen Studentenzimmern und Lehrräumen. Im westlichen Bereich des Hofes befindet sich zudem eine wunderschöne große Moschee, dessen Hauptsaal sehr reich vergoldet ist. Auf diese üppige Vergoldung spielt auch der Name der Tilla-Kari-Medrese („von Gold bedeckte Medrese“) an. Diese Moschee wurde lange Zeit als eine der wichtigsten Moscheen in Samarkand genutzt und diente der Stadt als sogenannte Freitagsmoschee. Den gemeinschaftlichen Gebeten geht dabei die Freitagspredigt („Chutba“) voraus.

3. Die Sher-Dor-Medrese

An der gegenüberliegenden Seite im Osten des Registan liegt die Sher-Dor-Medrese, die im frühen 17. Jahrhundert unter Yalangtush Bakhodur erbaut wurde. Das Prinzip der gegenüberliegenden Ausrichtung von zwei repräsentativen Bauten bezeichnet man in Zentralasien als Kosch-Prinzip. Die beiden Bauten haben dabei für gewöhnlich die gleiche Größe und die Hauptfassaden beider Gebäude liegen genau auf derselben Achse und weisen eine große Symmetrie auf.

In diesem Fall wirken die beiden Gebäude wie ein Spiegelbild des jeweils anderen. Die Fassaden sind in Form und Aufbau nahezu identisch und unterscheiden sich lediglich in der Ausführung der geometrischen Ornamente, Muster und Schriftzüge.

Am Eingangsportal der Sher-Dor-Medrese sind über dem Torbogen zwei Tiger („sher“) dargestellt, von denen sich der Name „Sher-Dor“ ableitet. Auch wenn die Architektur nicht so fein ausgearbeitet ist wie bei bei der Ulugh-Beg-Medrese, gehört die Sher-Dor-Medrese doch zu den bedeutendsten Repräsentativbauten von Samarkand.

Fazit zum Registan

Auch heute zählen die Medresen, Moscheen und Mausoleen in Samarkand noch zu den bedeutendsten Zeugnissen islamischer Baukunst. Die einzigartige Bebauung des Registan in Samarkand haben ihn zum berühmtesten Platz der islamischen Welt gemacht.

Einmal auf dem Registan-Platz stehen und die Schönheit der orientalischen Architektur genießen! Ihr erfahrender Partner heißt: New Silk Road – powered by China Tours!

Anna Sellmann
Letzte Artikel von Anna Sellmann (Alle anzeigen)