Das Sawitzki-Museum in Nukus

In der usbekischen Wüstenstadt Nukus liegt das Sawitzki-Museum. Mit rund 85.000 Exponaten ist es eines der meistbesuchten Museen Usbekistans. Geschaffen hat das Museum der Namensgeber des Museums: Igor Sawitzki.

Sawitzki-Museum von außen

Die Republik Karakalpakistan

Im Nordwesten von Usbekistan befindet sich die autonome Republik Karakalpakistan. Diese wurde im Jahr 1873 an das russische Kaiserreich abgegeben und befand sich bis 1936 unter alleiniger Herrschaft der Sowjetunion.

Allerdings wurde die Region auch in den Folgejahren von sowjetischen Einflüssen geprägt. Zwischen 1936 und 1991 befand sich die Region unter geteilter Herrschaft von Usbekistan und der Sowjetunion. Mit dem Zerfall der Sowjetunion, gehörte Karakalpakistan ab Ende 1991 außschließlich zu Usbekistan. Als autonome Republik wurden der Region das Recht auf ein eigenes Parlament, einen eigenen Ministerrat und eine eigene Flagge zugesprochen. Zudem ist neben Usbekisch auch Karakalpakisch Amtssprache.

Hauptstadt von Karakalpakistan ist seit 1932 die Wüstenstadt Nukus. Die vorherige Hauptstadt Tortkol lag zu nah am Fluss Amudarja. Für die Schutzmaßnahmen der südlichsten Stadt Karakalpakistans wurden zu viele Ressourcen verschlungen, woraufhin die damals noch kleine, zentral gelegene Siedlung Nukus, zur Hauptstadt erklärt wurde.

Markt in Nukus

Die Wüstenstadt in Karakalpakistan

Die Siedlung Nukus entwickelte sich bis in die 1950er Jahre in eine moderne sowjetische Stadt. Bis heute ist Nukus die Hauptstadt von Karakalpakistan. In Bezug auf touristische Sehenswürdigkeiten liegt Sie hinter Städten wie Buchara, Samarkand oder Khiva zurück.
Aber, sie beherbergt eine der wohl bekannteste Attraktion: das 1966 eröffnete Kunstmuseum von Nukus, besser bekannt als Sawitzki-Museum. Es beherbergt die zweitgrößte Kollektion an Kunstwerken der russischen Avantgarde. Nur das Russische Museum in St. Petersburg hat eine größere Kollektion. Dies ist dem Gründer und Namensgeber des Museums, Igor Sawitzki zu verdanken. Er sammelte die Kunstwerke und eröffnete das Museum 1966. Allerdings hatte er dabei auch einige Herausforderungen zu bewältigen.

Igor Sawitzki

Der Maler, Archäologe und Sammler Igor Sawitzki wurde 1915 als Sohn eines Anwalts in Kiew geboren und wuchs in Moskau auf. Schon früh musste seine Familie die Ukraine aus politischen Gründen verlassen. Sawitzki verlor bereits in jungen Jahren seine Eltern und verbarg sein reiches Elternhaus in der sozialistischen Sowjetunion. Stattdessen verdiente er sein Geld als einfacher Arbeiter und bildete sich nebenbei als Elektriker weiter. Seine Faszination brachte ihn dazu, zusätzlich ein Kunstinstitut zu besuchen und sich dort der Malerei zu widmen. Die Künstler am Institut wurden 1941 nach Samarkand geschickt, wo Sawitzki seine Faszination für Usbekistan entdeckte.

Der Registan-Platz in Samarkand

1950 bekam er die Möglichkeit, für Archäologiearbeiten nach Karakalpakistan zu reisen. Er ging und entschied sich, dort dauerhaft zu bleiben. Sein Kunstinteresse bewog in dazu, viel zeitgenössische Kunst zu sammeln. Viele Leute verstanden nicht warum er die Kunstwerke sammelte. Von den Einheimischen bekam er den Spitznamen Schrotthändler, da er Kunst sammelte welche die Leute als nutzlos ansahen. Seine Sammlung waren die Basis für das Museum, welches er 1966 in Nukus eröffnete. Dort werden sowohl Usbekische Kunstwerke der 1920er und 1930er Jahre, Russische Avant-Garde aus dem 20. Jahrhundert, Karakalpakische Kunstwerke und archäologische Funde aus dem altertümlichen Reich Choresmien ausgestellt.

Besonderheit des Museums

Besonders eindrucksvoll an dem Museum ist, dass die Kunstwerke der russischen Avantgarde zu den Sowjetzeiten von der sowjetischen Regierung nicht geduldet wurden. Statt Kunstwerke dieser Kunstrichtung zu veröffentlichen, wurde von der Regierung der Sowjetunion der Sozialistische Realismus vorgeschrieben. Dieser wurde als Mittel der Propaganda der damaligen Regierung eingesetzt. Kunst, die diesem Stil nicht entsprach, war unerwünscht und durfte nirgends ausgestellt werden.

Sawitzki sammelte trotzdem Kunstwerke der Avantgarde. Für ihn war die Schönheit der Kunstwerke maßgeblich und er wollte nicht, dass sie in Vergessenheit gerieten. Die Sammlung die er langsam vergrößerte, hielt er versteckt von der sowjetischen Regierung. Dies war ihm aufgrund der Distanz von Nukus zum weit entfernten Moskau möglich. Außerdem hatte Sawitzki gute Kontakte, die es ihm ermöglichten nicht von der Regierung in Moskau entdeckt zu werden. Zeit seines Lebens sammelte er weitere Werke. Kurz vor seinem Tod 1984 ernannte er die Tochter seines Freundes und ehemaligen Direktors zu seiner Nachfolgerin als Museumsleiterin.

Kunstwerke im Sawitzki-Museum

Louvre der Wüste

Marinika Babanasarowa war die perfekte Wahl als Direktorin des Museums. Sie sorgte dafür, dass die Kunstwerke gut behandelt wurden und sicher geschützt waren. Mit dem Zerfall der Sowjetunion reisten Kunstsammler aus aller Welt nach Nukus, um Kunstwerke des Museums zu kaufen. Doch Babanasarowa ließ sich nicht darauf ein. Sie ist sich der Bedeutung der Kunstwerke bewusst und verkauft diese nicht.

Medien berichten über das Museum als „Louvre der Wüste“ und sorgen damit dafür, dass Touristen für das Museum nach Nukus reisen. Viele andere Museen in Usbekistan hatten nicht so viel Glück, und verloren einen Großteil ihrer Kunstwerke im Laufe der Zeit an ausländische Käufer.

Die Wüste der verbotenen Kunst

Obwohl die Geschichte des Kunstsammlers Igor Sawitzki bei uns im Westen nicht sonderlich bekannt ist, wurde sie 2010 in einer westlichen Produktion verfilmt. Der Film „The Desert of Forbidden Art“ (Deutsch: Die Wüste der verbotenen Kunst) beschreibt die Geschichte von Igor Sawitzki und seinen Anstrengungen bei der Sammlung von “antisowjetischer” Kunst.

Hollywood Schauspieler Sir Ben Kingsley gibt in dem englischsprachigen Film Sawitzki seine Stimme. Trotzdem blieb die Dokumentation von Hollywood weitestgehend unbemerkt. Der Film wurde für zwei Emmys nominiert und war Gewinner der Filmfestivals von Palm Beach, Beijing und Prescott. Insgesamt erhielt der Film von Kritikern sehr positive Bewertungen.

Hier sehen Sie einen Trailer zu dem englischsprachigen Film The Desert of Forbidden Art:

Die Geschichte von Sawitzki zeigt uns auf eindrucksvolle Weise, wie eine Person an dem Wert der Kunst festhält und sich über die Befehle der sowjetischen Regierung hinwegsetzt. Es ist bemerkenswert, wie viel eine einzelne Person bewegen kann. Ohne Igor Sawitzki wären die rund 85.000 Kunstwerke womöglich verloren gegangen und ohne ihn würde es das Museum in Nukus nicht geben.

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Niklas Júlíusson
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